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KULTURKRITIK-Sonderausgabe
SÄGEBLATT-Extrabeilage zum 112. Herzogsägmühler Dorffest
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Der Dorfplatz. (Alle Bilder übrigens voll klickbar) |
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Erstmals trat die Redaktion (als Fussballfans getarnt) geschlossen als Berichterstatter und Gastronomiekritiker beim diesjährigen Dorffest an. Hier erste Eindrücke unserer Reporter, chronologisch rückwärts geordnet:
Gastronomie und Barbetrieb
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Dämmerschoppen |
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18:00 Uhr. Nach Zeigen des Presseausweises wurden wir von der Freiwilligen Feuerwehr Herzogsägmühle beim Bierausschank ab 17:00 Uhr erstklassig bedient. Obwohl die Füllhöhe des Krugs ein wenig fragwürdig schien, und das Fassbier nach Aussage unserer Society-Redakteuse Walburga Gräfin zu Reibach-Schanker „ein bisschen korkte“, beeilte man sich doch, auch zu fortgeschrittener Stunde nachdrücklichen Bestellungen umgehend nach zu kommen; unter anderem mit dem launigen Kommentar, dass man ja später im Internet bzw. SÄGEBLATT nichts Nachteiliges über Aufmerksamkeit und Dienstleistung der, wie wir fanden, durchtrainierten und auf herb-männliche, behaarte Weise auch attraktiven Thekenmannschaft lesen solle.
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Barmann "Frankie" |
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Versprochen ist versprochen; allerdings, und leider, standen die uniformierten Mitarbeiter wegen diesbezüglich unpräziser Dienstanweisungen später zu fortgeschrittenen Testverfahren nicht zur Verfügung; ein Umstand, der insbesondere die Gräfin zu Unmutsäusserungen provozierte (für welche sich die Redaktion sich hiermit in ihrer Gesamtheit entschuldigt; und auch das mit „noch einem oder zwei von den Village People bei der nächsten Modenschau“ hat sie sicher nicht so gemeint).

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16:30 Uhr. Nach ausgiebigem Sampling von Salatteller, roter Bratwurst, Popcorn, Leberkäspizza, überbackenem Sandwich, „LeckerSchmecker ChinaPfanne“ und Erdbeer-Eiskrem (in der Reihenfolge, aber gelegentlich gemischt) wurde uns ziemlich übel.
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Typische Dorffestbude |
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Nach einem Kaffee, einer vegetarischen Lasagne, einer heißen Waffel, einer ordentlichen Portion Nupfschudeln, und nicht zuletzt einer Schlauchdusche hilfsbereiter bewaffneter Vorschulkinder an der Feuerwehrbude ging es uns aber schnell wieder besser.
Kultur und zeitgenössische Musik, Teil 1
14:45 Uhr. Hier wiederum fiel der intellektuellen Pop-Front des SÄGEBLATTS neben dem luziden Irrsinn des Gastauftritts Problembär Brunos der gefällige Proto-Techno-Soundtrack der 80er Jahre auf. Der zwanzigminütige Kokser-Remix von Snap’s „Rhythm Is A Dancer“ zeigte zwar in vorbildlicher Weise eine subtile medienkritische Referenz des sozialpädagogisch-gesellschaftlichen Feindbilds der Universitätsjahre der Mehrzahl der Models und Organisatoren, liess aber in der Tiefe echtzeitanalogen kritischen Scharfblick vermissen (wo waren Annette Louisan, oder, im Hinblick auf ein zumindest mögliches Heimspiel, eine/r der VerliererInnen von ‚Deutschland sucht den Superstar‘? -
Rasante Körpereinlagen der Modelverpflichteten konnten nur knapp die Schwäche in der Abwehr des Teams wettmachen; so, mit der Zielvorgabe der Erstklassigkeit in allen Bereichen, werden wir nicht Weltmeister.
Aber gut, immerhin rutschte ja kürzlich einer der Samba-TänzerInnen beim 'Championskick' nahezu (!) der BH, also loben wir dennoch den langsamen, schamhaft-verspielten, aber hoffentlich unaufhaltsamen Einzug der Sinnlichkeit in unser Dorf; eine Kleinigkeit, deren Abwesenheit möglicherweise die eine oder andere Symptomatik erklären könnte, deren Kurierung möglicherweise wiederum indirekt auch Klienten zu Gute käme.
Vorsichtiger können wir’s wirklich nicht ausdrücken.
17:45 Uhr. A pro pos Abwesenheit von Sinnlichkeit: Die Blasmusik (nun, nun; eventuelle vulgäre diesbezügliche Assoziationen zeigen Ihr Therapiebedürfnis, Anm. d. Red.) dieses Jahr zeigte eine erfreuliche Vielzahl von Stücken, bei deren der/die eine oder andere ins Wippen geriet. Überhaupt macht die alte Mühle dieser Zeit etwas mehr die Tore auf, läßt frischen Wind herein, und, wie ein oder zwei Mitglieder des Publikums bezeugten, auch einmal den Zipfel heraus hängen.
Gern wären wir dabei gewesen; aber ach, wir waren ja under cover unterwegs.
Medizin und Fortschritt
5.45 – 21:30 Uhr. Diverse Hausmeister haben es schwer, und beschweren sich als solche. Das Dorffest wird auf Bandscheibenschaden, Zipperlein, Ohrenschmalz, Sonnenschirme, und Schluckauf verklagt, und deshalb, obwohl alles dank lobenswertem Einsatz supersahne funktioniert hat, rückwirkend bis auf das Jahr 1964 abgesagt. Blöderweise müssen wir Seiten fül sind wir der Wahrheit verpflichtet, und drucken diese Kulturkritik, obwohl das Fest nie stattgefunden hat, trotzdem ab.

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Religionskritik
Aufgrund Prof. Gundbold vom Hinterwalds tragischen Jagdunfalls heute von Society-Redakteurin Walburga Gräfin zu Reibach-Schanker 10:32-19:00 Uhr. A pro pos under cover: Unser neuer Pfarrer ist ein Hit! – Nicht nur war die (dann bekuttete) Lesung im Festgottesdienst 1A, was Inhalt, Tempo und Darbietung angeht (echt jetzt), aber auch die taffe, und trotzdem, und zu allen immer freundliche Arbeit an der Essensausgabe ("Wer will 'ne Wurst?!?") zeigt einen echten Arbeiter im Weinberg des Herrn. Da geht was, und wir sind beeindruckt. – Deshalb, und auch wegen kernigen Haarschnitts, hats off, dude, oder, wie die deutschsprachigen jungen Leute meiner Zeit zu sagen pflegten, Hut ab, Alter.
Da dies eine Satirezeitung ist, sei Ihnen dennoch der schöne zeitgenössische irische Folksong „Father Mallory's Dance“ ans Herz gelegt, in dem es um einen jungen feschen Dorfpfarrer geht, eine Rekordkollekte, und um die älteren Damen, die bei der Kirmes am Rand des Dorfplatzes sitzen: The girls are watching young Father Mallory dance. – Mit älteren Damen habe ich persönlich ja nichts am Hut, aber das Lied ist wirklich nett, der Refrain ein Kracher; und Sie, sir, wir haben Sie noch nicht tanzen sehen. Ein kleines, sicherlich unbeabsichtigtes Versäumnis Ihrerseits, das Sie möglicherweise beim nächsten Dorffest wieder gut machen wollen, wenn Ihnen eine wohlwollende Rezension Ihrer Performance am Herzen liegen sollte. Mit herzlichen Grüßen, Ihre Burgi
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Walburga Gräfin zu Reibach-Schanker (Jugendfoto) |
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Kultur und zeitgenössische Musik, Teil 2 (Bericht vom Vorvortage) Klassische Musik neu entdeckt
Die traditionelle Präserenade zum Dorffest am 30. Juni bestand aus einer Mittenwalder Streichergruppe, die u.a. Songs von Metallica zum Besten gaben.
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Klickbares Pressephoto. |
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Mit dem Ohr am Zeitgeschehen
Mitgehört um 8:15 Uhr, in der Redaktion.
Chefred. (telef.): Wer's "Präser-Renate"?? - Und: Telefonnummer?
Praktikant: Nicht Präser-Renate, Prä-Serenade. Nur Vorspiel, Chef.
Chefred: Ach so. Na dann, ab dafür.

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Danach erfolgte die Welturaufführung avantgardistischer Originalkompositionen des Originalkomponisten Pierre Klawuhn aus einem Diakoniedorf in der Umgegend von Peiting.
Das Menuett für 11 Fagotte und Fingernägel auf Schultafel kam besonders gut an, aber auch die Pastorale für Männerchor, Bratsche und Rasenmäher stiess bei den begeisterten Zuhörern in der Deckerhalle auf offene Ohren.
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Deckerhalle (innen) |
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Alles in allem also wieder ein gelungenes Dorffest, und wir sehen uns wieder, meint, rawülps, die Redaktion.
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Die Redaktion: Atze (links), Keule (rechts) und Gottfried (gerade in der Garage). |
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