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Heimatseite


Es blüht am Lech der Löwenzahn

Ein Frühlingslied von Gastbajuwar Justav Ejon Schulze

 
Wånn da lila Flieder wiada blüht
und des weiße Mieder wiada glüht
und mei kloana Wastl sich abmüht
auf meiner Oidn

 

(Chor der Landmadln:
der koidn)

 

(Refräng)

 

Dann blüht am Lech der Löwenzahn
darauf, Herr Wirt, an Enzian
Donoch muass i nåch Hause wanken
da soit i schnell no‘ oan, zwoa tanken

 

Der Lenz is do, und Unheil droht,
(Chor: mei Oide gibt mir Hausverbot)
Dånn komm i nochert schloinigst wieder
mi leckst am Oasch mit lila Flieder

 

(Tuba-Solo)

 

 


 

Herzogsägmühler Experience

 

Mitten im Leben am Ort

 

Heute: Das Gedicht im Alltag

(überhört zwischen Salettl und Gärtnerei, laut rufend zu niemand Besonderem vorgetragen von junger Dame in Grün, am  Ende der Mittagspause)

Hui, wie ist das Leben schlimm
wei‘ a so a Arschloch i bin
.“

 
Wir meinen, trotz metrischer Bedenken: das faßt es schon zusammen, irgendwie.


 

Herzogsägmühle im Lauf der Jahre

 

Ein Rückblick für Geschichtsverwirrte

Vor 100 Jahren

 
Freitag, 18. Dezember.

Die zuständige Gendarmerie bringt Wanderarbeiter Alfons „Karl“ A., der wegen Wanderns und Arbeitens in der Öffentlichkeit aufgefallen war, in das Gasthaus Herzogsägmühle. Hier soll er sich erstmal richtig ausarbeiten, der Alfons, damit er nicht gleich weiter wandert. Nach dem mandatorischen Bad in der Peitnach schenkt der gut gelaunte Herbergsvater ihm gleich eine Wassersuppe mit Brotersatz ein; soll ja nicht leben wie ein Hund, ein preißischer. Dann rollt sich der Alfons einen ‚Rauch‘ mit Holundertobak und Zeitungspapier. Kaum hat er ihn angefacht, geht’s schon zur Arbeit: 14 Stunden alte Semmeln klopfen für die königliche Mehlfabrik, dann die Geißelung des Mitwanderarbeiters des Monats, dann noch 7 Stunden arbeiten. Schließlich fällt er auf seinen Strohhaufen im Peitnachhof, der Alfons, wo er mit 28 weiteren Zug’roasten zwanzig Minuten Nachtruhe (aber: keine Fisimatenten!) geniessen darf, bevor der morgendliche Weckschuß ertönt.

 
Vor 50 Jahren

 

Montag, 13. März

Deutschland (ganz Deutschland? Nein, aber, doch, Bayern) feiert das Wirtschaftswunder. Kesselflicker, und Klinkenputzer a. D. Manfred H. springt munter aus seinem Taunus und läutet wohlgemut am Gartentürchen des Gasthauses. Eine weißblau geschürzte Hostesse händigt ihm ein  Deodorant amerikanischen Markenfabrikats aus, und danach serviert der gut gelaunte Herbergsvater dem „Freddy“ einen Broiler mit Südfrüchten und ölgesottenen Kartoffelschnitzen. Dann raucht sich der Freddy erstmal eine ‚Overstolz‘, danach darf er bis Mittwoch ausruhen; nun aber geht es ab zur Tagesstruktur: Netzstrümpfe häkeln für die Damen der Society. Im Hintergrund singt Peter Kraus im Radioapparat, und am Wochenende die große Samstagabendunterhaltung mit Hans-Joachim Kulenkampff. Dann fällt der Freddy im Kahlhaus auf sein Viererbett, denkt an Hilde Knef, und schläft etwa zwei Stunden, bis der Hostessenchor frohgemut die Tür einschlägt, und zum Morgenjodler hereingehüpft kommt.

 


Gestern

Gegen Mittwochmittag klingelt Kevin D. (DJ Phunky) sein Handy. Einer seiner zwei Betreuer ist dran; du, das find ich jetzt nicht gut, dass du am Montag nicht in der Arbeit gewesen sein sollst. Willst du vielleicht darüber red... -  Kein Schwellscheiß jetz, Sozialaasch klick. Noch zerschlagen vom vorabendlichen Klopapierweitwerfen zieht Kevin zum ersten und letzten Mal heute seine Jeans hoch, und schleppt sich vor seine PlayStation. Ein  EU-Praktikant klingelt an seiner Gegensprechanlage und serviert ihm einen Red Bull und zwei Aspirin, dann geht es zur Tagesstruktur: Ruhe bis zum Mittagessen, dann Cafeteria, dann zwei Stunden Internet, sechs Stunden PlayStation, und drei Stunden DVD. Gebrochen fällt Kevin auf seinen Gebrauchtfuton, bis am Freitagmittag unvermittelt sein Zweithandy klingelt.

 
Zusammenhangloser Nietzsche (‚DJ Dionysos‘)–Kommentar zum Tage: Wer seinen Lebensunterhalt damit verdient, einen Feind zu bekämpfen, der hat ein Interesse daran, dass dieser Feind am Leben bleibt.

Ja, ja; Nietzsche ist tot. Gott. – Aber wo er Recht hat, hat er recht.




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