Das Schweigen im Walde
Philosophie am Abend mit Prof. Gundbold vom Hinterwald
Letzte Erkenntnisse der Sozialforschung legen nahe, dass es stimmt, und man offensichtlich vom Irrsinn unzingelt ist; und dass Elternteil/Lehrkraft//Nachbar(in), wie klar erkennbar, wirklich neben der Schüssel ist. Entgleisende, sterbende und tote Humoristen (Bill Hicks, John Belushi, Wolfgang Neuss u.a.; von Untoten hier mal abgesehen) können sich bloß nicht damit abfinden, dass sich dagegen nichts ausrichten läßt, und driften daher in Drogenmißbrauch ab. Weicheier. Die simple Erkenntnis, das ihre Mitmenschen wirklich völlig irre sind, sollte sie auf den nützlichen Pfad des Kapitalismus lenken. Pausenkasper; hätten sie halt was Gescheites gelernt. Danke für die Mitwirkung; die Werbung macht’s. Noch Fragen? – Nein? Danke.
Die Wahrheit ist: Wir brauchen die härtere Generation. Nicht irgendwelche Moralisten im Sozialkundelehrer-Outfit, oder Möchtegern-Rock’n Roller. Nein, wir brauchen dürre Zornige mit zu kurzen Hosen, Hiphopper, die heim leuchten, weil unsere Generation bewiesenermaßen zu dämlich ist, diesen ganzen Wahnsinn umzukehren. Wir brauchen die Kids, nicht irgendwelche verfetteten Banausen, die in irgendeiner Gemeindehalle triefäugigen Trotteln Scheinweisheiten aufsagen (auf sachdienliche Hinweise ein- oder andererseits sei an dieser Stelle verzichtet). Wir brauchen Hilfe, und wir sind zu blöd und eigensinnig, um danach zu fragen. – Wir wurden verarscht, wie ihr, und wir geben weiter, was wir wissen: ein paar gute Ideen, und viel Mist. Nicht viel, nicht genug; deshalb bitten wir Euch um Hilfe, dieses eine Mal. Es tut uns leid, und wir wissen nicht weiter. Bitte, helft uns.
Das gesagt habend, ZIEHT EURE HOSEN HOCH; und hört auf mit den Klingeltönen, und den idiotischen Videos. Man könnte fast meinen, Ihr lasst Euch gerne verarschen.
Oh, sorry. Wollte Euren abendlichen Fight auf der PlayStation nicht stören. Warum auch; Ihr habt hier eh‘ keinen Platz.
Das natürlich macht Kabarettisten und, speib, „comedians“ überflüssig. Ärgerlicherweise schalten die meisten von denen auch gleich auf Durchzug, und wählen nicht den Ehrentod. – Deshalb wird China auch bestehen, und hat (aus vergleichsweise gelassener Perspektive von 6.000 Jahren Kriegerkultur) auch Recht; wir sind barbarische Idioten, und verdienen den Untergang, den wir selbst herbei bringen.
Nervig; aber egal, immerhin gut zu wissen, dass wir alle dazu beitragen.
„Darwin-Awards“, der Preis für die idiotischste Selbsttötung. – Hier erwähnt, weil Spezies blühen, bevor sie über die Klippe springen.
Klassischer, wahrer Fall: Ein Posaunist in einem argentinischen Symphonieorchester hört, sie spielen 1812, den alten Tschaikowsky-Hammer, und er beschließt, einen Feuerwerkskörper in seiner Posaune zu installieren, der zum Höhepunkt des Werks explodieren soll. – Premiere: er gibt Feuer, das Ding explodiert, und seine Posaune auch; er stirbt sofort, die U-förmige Röhre der Posaune schießt heraus, trifft mit zielsicherem Aufschlag auf den Hinterkopf einen Streicher, der den ersten Geiger umhaut, der dann mit Aufprallgeschwindigkeit von der Bühne ins Publikum fällt, was mehrere Leute schwer verletzt.
– Okay, cooler Stunt; aber: klassische Musik, die Blüte westlicher Kultur. Wir haben Kontinente erobert, Völker vernichtet, Syphilis und „Zivilisation“ verbreitet, und die Welt vor sich selbst gerettet; und hier kommt Pancho mit seiner Posaune und einer guten Idee. Lass‘ krachen; genau, hat immer funktioniert, alles für einen guten Effekt. Tschaikowsky hätte es nicht besser planen können; danke, Nachbar, genau das hatten wir gemeint.
Postcard from Iraq, drei Jahre nach „Kriegsende“: Danke auch, Amerika, für die „Befreiuung“; nächstes Mal schmeiße ich eine 40-Tonnen-Bombe auf Dein Haus, kille Deine Frau und 2 Kinder, und bringe Dir die Demokratie; nein, keinen Dank jetzt. Ich tue nur, wie mir geheißen. Erdöl, Gas und Waffen haben nichts damit zu tun, und hey, es ist nicht persönlich. Nur mein Job; die Wirtschaft muß ja funktionieren, und wo kämen wir denn da hin, wenn wir wie die verdammten Heiden.
Der Wahnsinn macht sich immer breiter. – Sehen Sie, deshalb legen manche ernsthaften Kabarettisten sich um. Weil sie mit den armen Idioten nicht leben können. Sie haben etwas schwachere Nerven, dafür etwas mehr Geist; dafür bezahlen Leute sie, und weiden sich an ihrem Untergang, über den sie dann in ihren Society-Magazinen lesen, und loben sich, dass sie weniger Drogen nehmen, was man noch diskutieren könnte. In Wirklichkeit bringen ein paar der Besten, Sensibelsten, Klugsten, sicherlich Redegewandtesten unter uns sich um, weil sie mit dem stetigen Triumph der Kleingeister nicht leben können. Die können sich dann hinterher rühmen, siehste, es war immer schon gescheiter, sich zu verleugnen.
Deshalb kriegen wir auf’s Maul, und deshalb wird der weiße Mann verrecken, wenn erst mal die rauen Winde wehen. Blödheit geht nie unbestraft; das wissen wir ja schon.
Zu spät, die Einsicht, für einige wunderbare zeitgenössische Komiker – die, die sich vor Liebe eher selbst verstümmelten, als zuzugeben, dass eigentlich ihr Umfeld völlig neben der Kappe war; und die, die vor lauter Furcht nicht verstehen konnten, dass hier eigentlich nichts komisch ist.
Schluß mit lustig, und schönen Abend noch.
GvH