Zur Startseite
 > SägeWeb > Das Sägeblatt > Ausgabe 1 > LiTerrorTour 





LitTerrorTour  –  Das SÄGEBLATT-Feature

zeitgenössisch existenzialistischer Prosa



Teil 1

Der große Schlonz

 

Ein  experimenteller Fortsetzungsroman

von Heimatdichter Pedder „Pierre“ Klawuhn

 

Kapitel 1: Schlonz kehrt heim

 

Der Bahnhof greint Ausdünstungen von Diesel und von Lidl. Das nächtlich nebelfeuchte Hinterland fast vergessen; schroff schwarzer Tann löst sich auf sich auf in Neon, erbarmungslosem Nichts: wieder daheim in S.


Schon gedenke ich, nach langer Fahrt hastend zum Bus zu stolpern, wahlweise, je nach Katarrh, stolpernd zum Bus zu hasten, da vernehme ich, klingelgleich in dunkler Nacht, den Ruf des Gebirgskrauts, der jenem Gefährt den Namen gab. Kalt diese rostige Rosinante örtlichen Nahverkehrs verachtend lenke ich meine Schritte stattdessen zur Grattleria gegenüber, und pfeife mir erstmal...

 

(Fortsetzung folgt)



Werbung

Enzian‘s Oberland-Linie: Pünktlich, freundlich, und Service mit einem Lächeln. Wann’s Dir net passt, konnst ja laufen, Depp.



Teil 2:


Das unzensierte Tagebuch der neuen Mitarbeiterin Penelope „Putzi“ F.

 

1. Tag

Liebes Tagebuch: so viele neue Eindrücke! Es stimmt schon: Das richtige Leben ist gar nicht wie die Uni. Hier hatten wir nur drei Besprechungen heute, und der Kaffee war auch scheiße. Die haben hier wohl nie was von Wodka Bull gehört.

 

Immerhin, das Dorf hat Tradition. Unser Bereichsleiter (ich nenne ihn heimlich „Bärchen“:-) ist seit 112 Jahren hier, und er weiß echt Bescheid. Zum Beispiel hat er gemeint, der Minirock wär‘ nichts für den täglichen Dienst, weil die HBs (Helfeberichtigten) sonst von ihrer „Tagesstruktur“ abgelenkt werden (weiß auch nicht, was das ist. Wahrscheinlich morgens aufstehen, frühstücken und so weiter) aber bei Besprechungen im Büro wär‘s schon okay. Dann hat er mir zugezwinkert. Huiii!

 

Dann ging’s an die Arbeit! Mei, sind hier viele Kaputte. Riechen nach Rasierwasser. Outfit so von gestern (Second Hand – pffft!), und die Autos, die gehen ja gar nicht. Und das sind erst die Mitarbeiter.


2. Tag

Ich fange ein neues Programm an. Bärchen hat gesagt, wir sollen uns kreativ mit neuen Ideen einbringen. Also:
Pimp My SozPäd. Wär doch gelacht, wenn wir hier nicht ein bißchen Stil reinbringen! – Irgendso’n Typ mit Latzhose hat mich blöd angequatscht, irgendwas von wegen „Essensmarke“ für die Cafeteria. Das mit der VISA hat sich hier wohl auch noch nicht rumgesprochen. Na ja, war vielleicht so’n HB.

 

(Oops! – der Direktor hat gesagt, Abkürzungen wär hier total nicht PC. Also: Hilfebeschwichtigter).


3. Tag

Heute war ich in der Cafeteria. Wieder nix mit Wodka Bull. – Aber jede Menge Hilfebezichtigte. Die sind schon niedlich, irgendwie.  Aber wenn du nicht aufpasst, halten sie dich von der Arbeit ab.


4. Tag

Liebes Tagebuch – heute haben wir ein neues Wort gelernt: Hilfeverpflichtender. Das heißt, Du mußt antworten, wenn dich wer was fragt. Der alte Sack (Nix mit Bärchen. Verheiratet. Spießer.) hat gesagt, das ist der Grund, warum wir hier sind. Ach so, Auskunft für Leute ohne Handy. Und dafür hab ich jetzt studiert. Na ja, besser als Telemarketing.

 

5. Tag

Party – dass ich nicht lache!. Heute waren wir im Lagerhaus (so’n Stall in Schongau). Um eins fangen sie an zu lallen, und gehen um zwei nach Hause. Duscher. Bei mir hat der Wodka Bull um vier erst richtig gekickt! Habe dann auf dem Nachhauseweg zwei Hefevernichtende getroffen, und wir haben vom Fuhrpark den Traktor geklaut, und erst mal ordentlich Blumen gemäht.


6. Tag

Fucking Spießer. Ingolstadt, I‘m coming home.



 


LitTerrorTour - Bonus: Kostenlose Vorschau für Abonnenten

 

Putzi meets the Schlonz

 

Ein Drehbuch von ‚Pietro‘ „Pierre“ Klawuhn

 

...

 

(fade-in)

 

Enzian-Overdrive: Immer schneller wahllos aufblitzende Strategien fortgeschritener Zechprellerei verwerfend, sitzt der Schlonz nahe der Tür in der Grattleria. Unvermittelt steht er auf, und wankt unbeholfen, aber nicht ohne leisen Blick zum Rucksack am Spielautomaten vorbei in Richtung Herrenraum

 

(als plötzlich)

 

(die Tür geht auf)

 

Putzi kommt herein (Musik. Wagner oder Beethoven). Der Minirock weht im milden Lechwind.

 

Putzi: Ich hab so ‘n Kater. Habt ihr Scheißprovinzler Wodka Bull, oder was?

 

Schlonz (hält inne) (zu Barmann) Hass‘ nicht gehört? Bull für die Lady. – Und für mich’n doppelten Jägermeister, aber pronto, Giuseppe.

 

(Barmann Jürgen schweigt)

 

Putzi sieht Sterne. (special effect, geht aber billig) Die umrahmen Schlonz, der (geht auf sie zu) sagt: Ey, Mona Lisa, du biss aber nich‘ von hier, oder?

 

(Es ist Liebe.)

 

Putzi: Bist Du auch so’n Hilfeberüchtigter?

 

Schlonz: (silberner Zahn blinkt im Tresenlicht) Watt’n, nee, wa. War gerade auf’m Weg nach Hause.

 

Putzi: Ingolstadt?

 

Schlonz (blitzschnell) Ja, genau. Also eigentlich: Berlin.

 

(Musik – Backstreet Boys, oder ähnlich)

 

Putzi: Berlin, Lover? Gibt’s da T-Com?

 

(Schnitt)

 

 


--------------------------------------------------------------------------------

 

Nächste Folge: Putzi II – Mission Ingolstadt

 


--------------------------------------------------------------------------------

 



Gastpointe

 

Diesmal von Jenny Dorothea „Jeannette“ Reichendorfer, Popstar, Duisburg

 

„Also find‘ ich jetz‘ ja nich‘, das Popkultur doof is‘. – Aber Satire, dat is‘ scheiße. Die waren ja schon bei alten Griechen verpönt, wose Ziegen und so. Also nich‘ bei Kostas umme Ecke jetz‘, sondern im Olymp, wose die Iade nach benannt haben.

Da hamse noch (Tätarää:  Dümmste Pointe der heutigen Ausgabe, d. Chefred.) ‚Satyr‘ geheißen, mit ypsilon. – (Nägnägnäg. Traut sich ja sonst keiner seit ‘76, d. Lohnschreib.)  Naja, wer liestn Sägeblatt, oder? Krieg ich wenigstens ‘n Foto?“

Klar, Jeannette. Wegen vorbildlicher Anwendung Apostrophens‘:

 

 


Jeannette Reichendorfer, Popstar



nach oben