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SÄGEBLATT-NACHRICHTEN – Die Welt im Bild

 

Telezentrum wird geschlossen

Nachdem die Baugenehmigung des zuständigen Landratsamts in P., einem Dorf in Herzogsägmühler Umgebung, für den besonders am Mittwochmorgen überbevölkerten Container des hiesigen Telezentrums abgelaufen ist, zieht das Telezentrum nächsten Monat in den Container hinter der Herberge um. – Der dann ehemalige Telezentrum-Container wird Schauplatz der neuen ‚Reality-Show‘ Big Brother II – Bereichsleiter unter sich. Herzogsägmühler Bereichsleiterkonferenzen werden auf jeweils eine Woche ausgedehnt, und live im örtlichen Kabelnetz übertragen. Um den Massen-Appeal zu erhöhen, wurde die ‚diakonische Kleiderordnung‘ gelockert (kurze Hosen erlaubt!), und die Kaffeezufuhr nochmals verdoppelt.

 

SÄGEBLATT deckt auf:

 

Spam‘, der international gebräuchliche Fachbegriff für unerwünschte Werbe-E-Mails, leitet sich ab von einer undefinierbaren Mischung aus angeblichem Säugetierfleisch und Salzen in der Dose (auch bekannt als ‚luncheon meat‘ oder ‚Frühstücksfleisch‘. Siehe spam.com, wenn Sie uns nicht glauben. Es gibt auch spork, aber nicht hier). Skandal: Vom Herzogsägmühler EDV-Referat abgefangener ‚Spam‘ wird heimlich in der hiesigen Krämerei als „Leberkässemmel“ weiterverkauft! – Insider-Report gegen €20,- (Vorkasse) von der Redaktion.


Geschwindigkeitsbegrenzung im Dorf endgültig rationalisiert

 

Beim lauschigen Frühjahrs-Spaziergang der Redaktion am letzten Wochenende fielen Dutzende trotz Geschwindigkeitsbegrenzung gnadenlos plattgemachter Nacktschnecken von Telezentrum bis Tannenhof auf. Da außerdem die geforderte Grabung neuer ‚Erwin-Dürr-Gedächtnisrinnen‘ (wie zwischen Gasthaus und Haus an der Brücke) weitere Herzogsägmühler Essenswagen, die mit 60 km/h darüber brettern, schrotten könnten (und da die meisten mobilisierten Mitarbeiter pünktlich zum Feierabend das Gelände ohnehin fluchtartig verlassen), wird in Zusammenarbeit mit Enzian-Reisen und deren ‚Oberland-Linie' die örtliche Geschwindigkeitsbegrenzung offiziell auf 120 km/h angesetzt.
Um Proteststimmen vorzubeugen, werden gleichzeitig ortsansässige Rollstuhlfahrer/ innen mit leichten Raketenwerfern aus EU-Beständen ausgerüstet. Die Herzogsäg-mühler KFZ-Werkstatt freut sich auf regen Kundenzuwachs; alles bleibt in der Familie.


Überhört, im Enzian-Bus (tatsächlich)

 

Potentieller Herzogsägmühler Schwarzfahrer („Insosse“) zeigt unleserlichen Behinderten-Ausweis. Busfahrer, schwarzhaarig, brüllt: Net so, net scho‘ wieder; des konn‘ I net lesen, raus, auf Wiedersehen. – Insosse: Okay, ich geh‘ ja schon. Fuck you. – Busfahrer (preussisch): Halt’s Maul; Du Sau.

Na also; immer noch alles in deutscher Hand.

 




Protestierende Goldfische (oben), und Kapellenfeldmitarbeiter Hubert F. beim wöchentlichen Einzel-gespräch mit dem Hecht


Exklusive Bildreportage:

 

Interessenverband Oberländer Zierfische protestiert

gegen ‚Ort zum Leben‘

 

Wie aus gewöhnlich gut intoxizierten Kreisen verlautete, werden harmlose und weitgehend niedliche Goldfische im Herzogsägmühler Hochwasser-Rückhaltebecken ahnungslos herangezüchtet, um sie dann dem Hecht im Teich im Kapellenfeld zur Jagd vorzuwerfen. Beschütztes Leben: ein Vorbild und Beispiel in Aktion, meint der Interessenverband Oberländer Zierfische. Vergleiche zum richtigen Leben, und dem dem ‚ersten Arbeitsmarkt‘ blieben rein spekulativ. –

Nur die Ruhe, meint unsere Nachrichtenredaktion; man sehe sich die spektakuläre Mutterkuhherde auf den hiesigen Weiden an, und denke an sein Mittagessen. Falsche Sentimentalität bei Sozialarbeitern wie Hilfeberechtigten führt schnell zu Verdauungsschwierigkeiten. Aber alles im Lot, Kumpels; nichts; was eine Pulle Schwedenbitter oder zwei nicht kurieren würden.



Oha! – Hilfeberechtigte gründen Gewerkschaft

 

Forderungen beinhalten einen Mindestlohn von 80 Cent pro Stunde für Tagesstruktur, hauseigenen Verkauf von zwei (2) Flaschen Bier pro Tag im Kapellenfeld, vier (4) Pullen am Wochenende,  und einen Fernseher in jedem Einzelzimmer. So kann es ja nicht weiter gehen, meinte Gewerkschaftsgründer und –vorsitzender Horst „Kutte“ Kalkowski in einer außerordentlichen Sitzung am Adolf-von-Kahl-Denkmal am Freitagabend. Wir meinen: Recht hat er.


Gleicher Bus, kurz vor Redaktionsschluss

 

Anderer Tag, gleicher Busfahrer. Fahrgästin hat Behindertenausweis, der Begleitperson vorsieht. Begleitperson steigt am ‚Märchenpark‘ aus, Fahrgästin muss wieder zurück nach Herzogsägmühle. Busfahrer startet Fahrzeug, stoppt plötzlich, und spricht über rechte Schulter: Des is‘ mit Begleitausweis. Aussteigen. Fahrgästin versteht nicht. Busfahrer: Aussteigen! Des is‘ mit Begleitperson; die is‘ ausgestiegen. (Brüllt) Nächstes Mal gibt‘s eine Strafanzeige wegen Betrug! – Genau, für €1,60; minus bisheriger Strecke. Fahrgästin steigt schweigend aus, und läuft nach Hause. – Wegen solcher Menschen gibt es Menschen, die Herzogsägmühle brauchen; das klar zu machen, ist sein Dienst. Zugegeben, manchmal schwer, das einzusehen.


Und keiner hat’s gemerkt:

 

In der ‚Freinacht‘ zum 1. Mai wurde der Herzogsägmühler Maibaum von unbekannten Tätern gestohlen, und durch eine identische Kopie ersetzt. Also Vorsicht (siehe Plastiktüten): Nicht alles, wo Herzogsägmühle draufsteht, ist auch Herzogsägmühle drin (gilt auch für Mitarbeiter).

 



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